5 Fragen an Tim Guldimann, Nationalrat (SP/ZH) und ehemaliger Botschafter

Tim Guldimann

Wie haben Sie den Wechsel vom Botschafter zum Nationalrat erlebt?

Einerseits habe ich meine neue Aufgabe unterschätzt. Politiker ist ein Beruf. Ich muss noch lernen, wie das Parlament im Innern funktioniert und welche ungeschriebenen Gesetze und Abläufe es gibt. Beispielsweise welche Absprachen getroffen und wie Vorstösse gemacht werden. Andererseits habe ich die Diplomatie schon immer als eine politische Aufgabe verstanden, insofern erlebe ich Politik jetzt bloss von der anderen Seite.

Inwiefern helfen Ihnen die Erfahrungen aus Deutschland bei Ihrer jetzigen Aufgabe weiter?

Sicherlich hilft mir meine berufliche Erfahrung bei der Arbeit im Parlament. Ich habe immer versucht, Probleme auf einer politischen und gesellschaftlichen Ebene zu verstehen. Ebenso helfen mir meine Kenntnisse über das Innere der Verwaltung.

Was kann die Schweiz bezüglich Energie noch von Deutschland lernen?

Die Perspektive der Schweizer Energiepolitik ist zu stark auf unser Land beschränkt, obwohl sie tatsächlich im europäischen Kontext eingebettet ist. Deshalb müssen unsere nationalen Interessen verstärkt auf europäischer Ebene angegangen werden. Traditionell war die Schweiz eine zentrale Drehscheibe – vor allem in Laufenburg – des europäischen Strommarktes. Diese Rolle müssen wir auch in Zukunft sichern. Dafür müssen wir in wichtigen Geschäften wie dem Stromabkommen mit der EU weiterkommen. Das geht aber erst, wenn wir unsere Probleme mit der Masseneinwanderungsinitiative gelöst haben.

Versteht man also die Schweizer Probleme auch als europäische, welche Lösung gibt es für sie?

Wir müssen uns in den europäischen Strommarkt integrieren, um unsere Interessen wahrzunehmen. Dafür für sollten wir uns schon heute stärker mit den innenpolitischen Widerständen befassen.

Wofür setzen Sie sich als Nationalrat im Bereich Energie ein?

Generell versuche ich die aussenpolitische Perspektive in unserer Innenpolitik zu stärken. Das gilt auch für die Energiepolitik, obwohl ich nicht in der dafür zuständigen Kommission bin.

Interview: Isabelle Frühwirt, Hochschulpraktikantin Bundesrats- und Parlamentsgeschäfte BFE

Bild: zvg

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