Seitenwechsel: Papiermühle – Havanna – retour


Liebe Leserin, lieber Leser dieses Artikels. Darf ich fragen, warum Sie lesen? Hat der Titel Sie neugierig gemacht? Schön, so soll es sein! Eigentlich wäre es jetzt gerade sehr spannend zu erfahren, was Sie von den folgenden Zeilen erwarten und was Sie über Kuba wissen. Vielleicht haben Sie die Insel selber schon einmal bereist, kennen die schönen Strände von Varadero, haben die Mogotes von Viñales besucht, sind in einem alten amerikanischen Strassenschiff durch Havanna gecruist, um anschliessend in einer Bar einen Mojito zu bestellen und Salsa zu tanzen. Ja, das sind typische Ferienerlebnisse. Genuss und ein Gefühl von Freiheit unter der Sonne Mittelamerikas, umgeben vom Atlantischen Ozean und dem Karibischen Meer. Und im Hinterkopf schlummern die Bilder von Fidel Castro und Ché Guevara. Vielleicht sind Sie aber auch politisch interessiert und verfolgen die Geschehnisse auf der Insel.

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Das BFE unterstützt das Programm Seitenwechsel. Ziele eines Seitenwechsels sind Weiterbildung, Persönlichkeitsentwicklung und Horizonterweiterung der angestellten Führungskräfte. Interessierte sollen sich während einer Woche in einer schweizerischen sozialen Institution betätigen. Der von mir organisierte Seitenwechsel entspricht nicht dem typischen Seitenwechsel, wie er vom Programm vorgesehen ist. Ich hatte schon länger den Wunsch, einmal im Ausland zu arbeiten und ein Land auf diesem Weg besser kennenzulernen. Von der Tatsache, dass es für Juristen nicht gerade einfach ist, sich ausserhalb der eigenen Rechtsordnung zu betätigen, wollte ich mich nicht abhalten lassen und suchte nach einer Idee, um meinen Wunsch sinnvoll umzusetzen. Von der Vielschichtigkeit Kubas fasziniert, habe ich das Land bewusst ausgewählt, um hinter die Kulissen, die man als Tourist wahrnimmt, zu blicken. Dafür war ich bereit, meine Ferien einzusetzen, um den Aufenthalt verlängern zu können.

 

 

Während meines zweimonatigen Aufenthalts in Kuba durfte ich auf der schweizerischen Botschaft in allen Gebieten aktiv mitwirken. Im Bereich der Interessenvertretung lernte ich die Aufgaben des Botschafters kennen und nahm an internen Sitzungen ebenso teil wie an Besprechungen mit Externen. Der Botschafter integrierte mich in seine Tätigkeit, die unter anderem darin besteht, die EDA-Zentrale in Bern über die politische, wirtschaftliche und soziale Lage im Land auf dem Laufenden zu halten und die Auswirkungen auf die Schweiz abzuschätzen. Die Erstellung eines Systemvergleichs Schweiz-Kuba aufgrund der Verfassungen beider Länder ermöglichte eine Vertiefung des Verständnisses für die Situation, in der sich Kuba heute befindet. Im Austausch mit den kubanischen Arbeitskollegen erfuhr ich zudem, wie ihr Alltag aussieht und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben. Auf dem Konsulat, der „Gemeindeverwaltung“, machte ich Bekanntschaft mit den Arbeiten und den täglichen Herausforderungen der Konsulatsmitarbeiter. Die Agentur für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ist vielseitig aktiv. Sie betreut und unterstützt unter anderem ein Projekt im Bereich der erneuerbaren Energien (Biomasse) in Kuba. Das Potenzial ist sehr gross und der kubanische Staat plant, in den nächsten Jahren die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien, insbesondere den Zubau zu priorisieren und ausländische Investitionen in diesem Sektor zu ermöglichen. Das ist ein Betätigungsfeld, das insbesondere auch die EU-Mitgliedstaaten und die dort ansässigen Firmen sehr interessiert.

Der Seitenwechsel hat mir spannende Einblicke in ein vielfältiges Land ermöglicht. Ich habe Dinge gesehen und gelernt, die mir während eines Aufenthalts als Touristin verwehrt geblieben wären. Daraus ziehe ich viel Energie und Motivation für meine Arbeit beim BFE.

 

Silvia Gerber, stv. Leiterin Sektion Elektrizitäts-, Rohrleitungs- und Wasserrecht beim BFE

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